Roth, Frank
Zur Strafbarkeit leicht fahrlässigen Verhaltens
Reihe:
Akademische Abhandlung zu den Rechtswissenschaften
ISBN: 3-930324-58-X
1995
Preis: 46,90 €
260 Seiten
Abstract
Nachhaltig behauptet sich in der allgemeinen Straftatlehre die Vorstellung, fahrlässiges Verhalten unterfalle schlechthin dem unteren Grenzbereich materieller Strafbegründung, während es der quantifizierenden Strafzumessung vorbehalten bleibe, je unterschiedlichen Ausprägungen fahrlässig verschuldeten Unrechts Rechnung zu tragen.
Die Weigerung, Grade der Fahrlässigkeit in den materiellen Straftatbegriff zu inte- grieren, steht vor dem Hintergrund eines formelhaften normativistischen Schuldbegriffs im Widerspruch zur ethischen Dimension jedes Strafausspruchs. Augenfällig wir die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit des modernen Schuldstrafrechts bei der Bewertung von Nachlässigkeiten mit hohem Schädigungspotential, die in technisierten Lebensbereichen, nicht nur im Straßenverkehr, Bestandteil der kollektiven Normalität sind. Hieran anknüpfend bemüht sich vorliegende Arbeit um ein phänomenologische Typisierung der leichten Fahrlässigkeit, die als Unterfall der unbewußten Fahrlässigkeit in Erscheinung tritt. Der weitgehend konsentierten Annahme, hierbei handele es sich um eine folgenlose Kategorisierung, werden innere Widersprüche nachgewiesen und strafrechtsgeschichtliche sowie strafrechtsreformatorische Alternativen von der "culpa levissima" bis zu jüngsten Entkriminalisierungsbestrebungen gegenübergestellt. Die Arbeit stellt zur Diskussion, auch leicht fahrlässige Körperverletzung und Tötung straffrei zu stellen.
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