Coutinho Krahforst, Marcia
Neuropsychologische Untersuchungen zur kognitiven Leistungsfähigkeit HIV-infizierter Patienten
Reihe:
Akademische Abhandlung zur Psychologie
ISBN: 3-930324-47-4
1995
Preis: 41,90 €
184 Seiten
Abstract
Als Folge des Erworbenen Immunschwächesyndroms (AIDS) sind neben einer Fülle von körperlichen Symptomen und Krankheiten auch Einbußen der kognitiven Funktionen und eine Beeinträchtigung des psychischen Wohlbefindens zu verzeichnen.
In zahlreichen Studien wurden solche Defizite gefunden, jedoch bisher keine Korrelationen zwischen klinischen Labordaten einerseits sowie psychologischen Merkmalen andererseits festgestllt. Anhand einer wissenschaftlichen Untersuchung an 65 HIV-positiven Patienten werden die Reaktionsgeschwindigkeit und die kognitiven Funktionen Gedächtnis und Konzentration mit neuropsychologischen Tests untersucht und mit der Leistung einer gesunden Kontrollgruppe verglichen. Dabei sollen die Fragen beantwortet werden, ob eventuelle kognitive Einbußen mit krankheitsbedingten Merkmalen zusammenhängen und ob und inwieweit sich neuropsycholgische Beeinträchtigungen im alltäglichen Leben der Betroffenen auswirken. Schließlich wird auf die Frage eingegangen, ob subjektiv erlebte Beeinträchtigungen der Patienten mit unterdurchschnittlichen Testleistungen in Beziehung stehen.
Es stellt sich heraus, daß die Reaktionsgeschwindigkeit der Patienten derer Gesunden entspricht, erstere jedoch im Gedächtnis- und Konzentrationsbereich im Vergleich zur Kontrollgruppe schlechter abschneiden. Es zeigt sich, daß 38,5% aller Patienten von Störungen betroffen sind, die sich in Alltagssituationen bemerkbar machen. Die neuropsychischen Leistungen werden auf einen Zusammenhang mit den häufigsten somatischen Merkmalen der HIV-Infektion hin untersucht. Es ergibt sich, daß ein Gewichtsverlust von mehr als 10% des Körpergewichts in den vorangegangenen 3 Monaten sowie eine stationäre Behandlung zum Untersuchungszeitpunkt mit Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen einhergehen.. Vermutlich hängt der plötzliche Verwertungsmangel mit einem veränderten Hirnstoffwechsel zusammen, in dessen Folge es zu den beobachteten Gedächtnis- und Konzentrations-Störungen kommen kann. Die Autorin stellt schließlich fest, daß die bei HIV-Infizierten beobachtete depressive Syptomatik nicht in Zusammenhang mit Leistungsbeeinträchtigungen im Bereich Gedächtnis und Konzentration steht. Patienten mit Gewichtsverlust fühlen sich - in Übereinstimmung mit den objektiven Testergebnissen, auch subjektiv von einem Nachlassen der Gedächtnis- und Konzentrationsfähikeit betroffen.
Die festgestellten kognitiven Beeinträchtigungen bei HIV-Patienten können Arbeitslosigkeit und die damit verbundenen materiellen, psychischen und sozialen Einschränkungen mit sich bringen. Es sollte also frühzeitig präventive Maßnahmen ergriffen und die vorliegenden Erkenntnisse vertieft werden.
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