Abstract
"In vorliegendem Titel sollen die beiden chronisch entzündlichen Darmkrankheiten Morbus Crohn und Colitis ulcerosa ausführlich beschrieben werden. Anhand des Nahrungsweges wird zunächst das Verdauungssystem kurz erläutert und die Anatomie des Darms dargestellt. Da es sich bei den vorliegenden Krankheiten um eine Entzündung der Darmwand handelt, wird auch dieser Bergriff näher definiert. Nach diesen vorangestellten Themen werden beide Krankheiten mit ihren Symptomen, Begleiterkrankungen, Diagnosemöglichkeiten, Krankheitsursachen und ihrer Therapie näher beleuchtet und durch Patientenberichte abgerundet.
Beim Weg der Nahrung durch den Körper wird diese mechanisch zerkleinert, mit Enzymen und Verdauungssäften durchmischt, in ihre Bestandteile zerlegt, im Dünndarm resorbiert und im Dickdarm zum Kot eingedickt, welcher dann über den After entleert wird. Zur Resorption der Nahrungsbestandteile, aber auch der Vitamine, Salze und Verdauungssäfte ist eine große, gesunde Schleimhaut notwendig. Ist diese krankhaft verändert, so können die oben genannten lebenswichtigen Vorgänge nur noch in geringem Maße ablaufen. Eine Schädigung wird sehr häufig durch Bakterien, Viren oder Fremdkörper hervorgerufen. Der Körper antwortet auf das Eindringen dieser Keime mit einer lokalen Entzündung und macht so körperfremde Krankheitserreger unschädlich und stellt weiterhin geschädigtes Gewebe wieder her. Gelingt es dem Körper jedoch nicht, sich mit einer Immunantwort gegen die Antigene zu wehren, so kann aus dieser akuten Entzündung eine Chronische werden, die dann mehrere Monate bis Jahre andauern kann.
Im Falle des Darms gibt es zwei chronisch entzündlichen Erkrankungen, Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Die Ursache dieser Krankheiten ist bisher noch nicht bekannt. Es wird aber vermutet, dass es sich um Autoimmunkrankheiten handelt, die genetisch bedingt sind und durch eine Kombination aus mehreren Faktoren ausgelöst werden können. Beim MC kann der gesamte Verdauungskanal vom Mund bis zum After von einer entzündlichen Veränderung betroffen sein, während bei der CU nur der Dickdarm betroffen ist. Beide Krankheiten äußern sich meist in starken, mehrfachen Durchfällen und Bauchschmerzen. Eine deutliche Gewichtsreduktion ist aufgrund der mangelnden Nährstoffaufnahme im Dünndarm nur beim MC vorhanden. CU-Patienten haben meist ihr Idealgewicht. Allerdings sind bei CU-Betroffenen häufiger Blutungen im Stuhl sichtbar, die zu Anämien führen können.
MC und CU sind keine ausschließlich den Darm betreffenden Krankheiten, es treten fast immer Begleiterkrankungen auf. In der Regel kann eine sehr schnelle Diagnose erfolgen, allerdings müssen hierzu vielfältige Untersuchungen gemacht werden. Durch diese Untersuchungen können Anzeichen von Entzündungsreaktionen, Darmwandveränderungen oder sogar Dysplasien frühzeitig erkannt und behandelt werden. Jedoch werden diese Verfahren bei einigen Patienten erst sehr spät eingesetzt, da die Symptome zunächst auf eine evtl. Wurmfortsatzentzündung hinweisen. Erst durch eine Operation wird dann die richtige Diagnose gestellt. Außerdem gibt es den Fall der Colitis indeterminata, bei der eine genaue Unterscheidung zwischen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa erst zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen kann.
Die Therapie der beiden chronisch entzündlichen Darmkrankheiten besteht
zurzeit noch in der Symptombehandlung. Es werden entzündungshemmende Medikamente wie Cortison, 5-Aminosalicylsäure und in härteren Fällen Immunsuppressiva eingesetzt. Da aber gerade Cortison und Immunsuppressiva eine sehr hohe Nebenwirkungsrate haben, sind die Pharmazeuten auf der Suche nach nebenwirkungsärmeren Präparaten. Es sind im Laufe der letzten Jahre auch einige Medikamente auf den Markt gekommen, jedoch konnten nur in Einzelfällen längerfristige Remissionen erreicht werden. Aus diesem Grund sind in Deutschland nur die schulmedizinischen Medikamente zugelassen. Weiterhin besteht die Therapie darin, dass betroffene Organabschnitte entfernt werden. Bei CU ist es möglich eine Heilung der Krankheit durch Totalresektion des Dickdarms zu bewirken. Beim MC hingegen ist eine Heilung nicht möglich und daher wird immer nur so viel Darm wie nötig entfernt; eine weitere Operation ist nicht ausgeschlossen. Ist ein Teilstück oder der gesamte Dickdarm entfernt, so kann es zu einer Stomaanlage kommen. Heute
wird allerdings nur noch sehr selten oder vorübergehend ein Stoma angelegt, die bessere Methode ist eine Pouchoperation. Hat ein Patient aufgrund der Erkrankung psychische Probleme, so kann eine Psychotherapie oder der Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe helfen, die Krankheit zu bewältigen. Morbus Crohn- oder Colitis ulcerosa-Patienten müssen nicht unbedingt eine Diät einhalten. Sie dürfen alles essen, was vertragen wird.
Eine Schwangerschaft ist auch bei CED-Patientinnen kein Problem, allerdings sollte sie in einer beschwerdefreien Zeit geplant werden, da hier die Fruchtbarkeit nicht gestört ist. Sollte eine Frau in einer aktiven Phase schwanger werden, so könnte es zu Frühgeburten oder sogar Fehlgeburten kommen. Es besteht außerdem die Gefahr, dass bei der Geburt durch die Presswehen noch nicht verheilte Narben wieder „aufplatzen“ oder es im Bereich eines Stomas zu einem Darmvorfall kommt. Auch bei CED-Patienten wird eine vaginale Geburt dem Kaiserschnitt vorgezogen.
Generell muss gesagt werden, dass es bei Crohn- und Colitis-Kranken im Vergleich zur Normalbevölkerung ein erhöhtes Krebsrisiko gibt. Besonders bei Patienten mit einem ausgedehnten Colonbefall oder einer langen Krankheitsdauer kann sich ein Krebs entwickeln. Da bei MC im Regelfall das Endileum betroffen ist, ist bei dieser Krankheit ein Karzinom erheblich seltener. CU-Patienten sollten nach Möglichkeit einmal im Jahr eine endoskopische Untersuchung mit Entnahme von Biopsien machen lassen, um Dysplasien frühzeitig zu erkennen. Eine Karzinomprävention ist nur begrenzt durch entzündungshemmende Medikamente möglich, kann aber auch durch die Totalresektion des Dickdarms bewirkt werden, was gleichzeitig eine Heilung von der CU bedeutet."
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