Abstract
Die Überlegungen, die Nietzsche in seinem mittleren Werk zur Wahrheit anstellt, sind wesentlich von der Konfrontation zweier Wahrheitsverständnisse gezeichnet und der Spannung zwischen ihnen getragen. Ein Verständnis, welches unter Wahrheit nicht mehr als eine besondere Art von Illusion begreifen will, steht im Konflikt mit einem metaphysischen Wahrheitsbegriff, an dem Nietzsche infolge seiner Hochachtung der Wissenschaft, die seine mittlere Periode kennzeichnet, festhalten muß. Die daraus erwachsende Unentschiedenheit und Ambiguität, die viele seiner Aphorismen der mittleren Periode begleitet, zieht sich durch alle drei Themenkomplexe, in denen Wahrheit behandelt wird: Wissenschaft, menschliches Leben und Nihilismus. Die Spannung löst sich erst in dem Augenblick, als mit einer radikaler werdenden Kritik der Nihilismus unvermeidbar wird, Wissenschaft ihre Legitimation und Attraktivität verliert und der metaphysische Wahrheitsbegriff fallengelassen werden kann.
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