Abstract
Das vorliegende Buch stellt dem Leser die Proceedings des gleichnamigen Symposiums zur Verfügung, welches am 11. und 12. Oktober 1999 in Karlsruhe stattfand.
Die Autoren der insgesamt 13 Beiträge kommen vorwiegend aus dem Forschungsbereich, der öffentlichen Verwaltung, der Versicherungsbranche sowie vom DWD und der DLR. In ihren jeweils ca. 20 Seiten umfassenden Aufsätzen behandeln sie Themen wie Hochwasser, Starkregenereignisse, Erdbeben, Stürme und deren Folgen bzw. Möglichkeiten der Prognose solcher Ereignisse.
Schwerpunktmäßig beziehen sich die Autoren auf das Gebiet Deutschlands, jedoch werden bei der Diskussion von Klimaveränderungen natürlich auch die globalen Zusammenhänge erläutert. Dass die veränderten Umweltbedingungen nur eine von verschiedenen Ursachen für die nachweislich zunehmende Häufigkeit von Naturkatas- trophen sind, wird bereits im ersten Beitrag dargestellt.
In den weiteren Kapiteln werden an zahlreichen Beispielen Modelle zur Prognose von Naturkatastrophen, Möglichkeiten zum Schutz und zur Schadensreduzierung aufgezeigt. Die Grundlagen der mathematischen Modelle werden ebenso angesprochen wie die modernen Techniken der Fernerkundung und Erdbebenvorhersage.
In einem der Beiträge wird jedoch auch klargestellt, dass z.B. der technische Hochwasserschutz Grenzen hat und stets ein Restrisiko verbleibt, das ein verantwortungsvolles Handeln erfordert.
Vor dem Hintergrund der Hochwasserereignisse des Jahres 2002 erlangt die in diesem Buch behandelte Thematik auf tragische Weise erneut Aktualität und Bedeutung. Es ist
daher sehr zu begrüßen, dass die Initiatoren und Veranstalter des Symposiums das Fachwissen und die aktuellen Forschungs- ergebnisse der Autoren einer breiten Leserschaft zur Verfügung stellen. S.Krause
GWF, Wasser - Abwasser, Jahrg. 144, Nr. 11, November 2003
Naturkatastrophen im Mittelgebirgsraum sind in Mitteleuropa auch in den wenigen Monaten nach dem redaktionellen Abschluss und dem Erscheinen des vorliegenden Buches von großer Aktualität geblieben. Hierzu zählen die schweren Hagelgewitter im Juni und Juli 2002, die Hochwasserkatastrophe an Donau und Elbe im August 2002 und die Überschwemmungen in den ersten Tagen des Jahres 2003. Aber auch die Häufung solcher Ereignisse zuvor, beginnend mit den schweren Orkanen Vivian und Wiebke im Jahre 1990 bis hin zu dem Weihnachtsorkan Lothar im Jahre 1999 hatten bereits ausreichend Anlass geboten, dass die Vorträge des am 11. und 12. Oktober 1999 in Karlsruhe abgehaltenen Symposiums "Naturkatastrophen im Mittelgebirgsraum" in Buchform veröffentlicht wurden. Veranstalter des Symposiums waren das Graduiertenkolleg "Naturkatastrophen" an der Universität Karlsruhe, das Institut für Meteorologie und Klimaforschung der Universität Karlsruhe Forschungszentrum Karlsruhe und die Stiftung "Umwelt und Schadensvorsorge" der SV Gebäudeversicherung AG in Stuttgart.
Die 13 für diesen Band ausgewählten Beiträge können grob in drei Kategorien sortiert werden: Die ersten sechs beschäftigen sich mit meteorologischen Themen wie Klimaänderung, Starkregen, Stürmen und Tornados. Dann folgen sieben Beiträge zum Thema Hochwasservorhersage und Hochwasserschutz. Abgeschlossen wird das Buch durch zwei Beiträge zu Erdbebenrisiko und -vorsorge. Abgesehen davon, dass die Zuordnung von Erdbeben und Mittelgebirgen nicht ganz plausibel erscheint, konzentriert sich diese Rezension dem Themenspektrum dieser Zeitschrift entsprechend auf die ersten sechs Beiträge.
Eingeleitet wird dieser Sammelband mit einem Aufsatz von G. BERZ zum Schadensausmaß aus Sicht der Versicherungswirtschaft. Dabei wird betont, dass der Anstieg der Schadenssummen sowohl auf einen Anstieg der versicherten Werte als auch auf eine sich abzeichnende Erwärmung der Erdatmosphäre zurückgeführt werden muss. Im zweiten Beitrag beschäftigt sich E FIEDLER mit dem Auftreten und der Energetik von Orkanen und Tornados. Er weist darauf hin, dass durch die Erwärmung und den dadurch höheren Wasserdampfgehalt der Erdatmosphäre mehr Energie zu Phasenumwand- lungen und damit als Energiequelle in Wirbeln zur Verfügung stehen. Die dritte Abhandlung von N. DOTZEK konzentriert sich auf ein in Mitteleuropa bisher relativ wenig beachtetes aber durchaus vorhandenes Phänomen, den Tornado. Er fasst die vorliegenden Beobachtungen zu einer aktualisierten Klimatologie dieser Ereignisse zusammen und weist darauf hin, dass bisher ein europäisches Kompetenzzentrum zur Tornadoforschung fehlt.
Die nächsten drei Beiträge analysieren das Phänomen Starkregen und darauf folgende Hochwasserereignisse. Zunächst nimmt H. BARTELS eine extremwertstatistische Analyse und Bewertung von Einzelereignissen vor. Die von ihr angegebene Tabelle zu den deutschlandweit gemessenen maximalen Niederschlagshöhen als Funktion der Messzeitspanne (von 8 min bis zu 1 Jahr) kann allerdings nach dem Starkregen im Erzgebirge im August 2002 schon wieder nach oben korrigiert werden. Für die Fortschreibung der vorhandenen Regelwerke und für ergänzende Detailuntersuchungen hält sie die Weiterentwicklung der Messmethoden unter Einschluss von Fernerkundungsverfahren wie RADAR für zwingend erforderlich. Der fünfte Aufsatz von P. H0MAGK beschreibt die Rolle der Hochwasser-Zentrale Baden-Württemberg bei der Verminderung von Hochwasserschäden, z.B. im Bereich der Stadt Köln. Dabei wird insbesondere die Problematik der Hochwasserrückhalteräume (Polder) am Oberrhein diskutiert. Im sechsten Beitrag untersuchen J. WEFERS und U. ULBRICH die Auftretens- wahrscheinlichkeit von Hochwasserereignissen am Rhein. Hierbei wird die Korrelation mit Großwetterlagen und der Nordatlantischen Oszillation betrachtet. Voraussetzung für extreme Hochwasserereignisse sind zonale Wetterlagen. Aufgrund der derzeit beobachtbaren Tendenzen kann eine weitere Zunahme von Abflussmengen im Winterhalbjahr erwartet werden.
Die anschließenden, mehr von hydrologischen und flussbaulichen Aspekten dominierten Beiträge ergänzen die vorstehenden Aussagen und geben einen Ausblick auf mögliche Handlungsweisen zur Schadensminderung, falls die von der Klimaforschung erwarteten weiteren Anstiege der Abflussmengen vor allem im Winterhalbjahr aber auch bei einzelnen Starkregenereignissen wirklich eintreten sollten.
Das alles in allem empfehlenswerte und sehr aktuelle Buch ist in seinem mittleren Teil stark auf die Frage des Hochwasserschutzes konzentriert. Bei ähnlichen Seminaren in der Zukunft wäre es durchaus wünschenswert, verstärkt auch auf Maßnahmen zu Schadensminderungen durch Stürme, Tornados und schwere Hagelunwetter einzugehen. Etwaige Interessenten für das Buch sollten sich durch die Eingrenzung auf die Mittelgebirgsregionen, wie sie im Titel angesprochen wird, nicht abschrecken lassen. Ein großer Teil des präsentierten Materials hat ohnehin Bedeutung für ganz Mitteleuropa.
S. EMEIS, Weilheim
Meteorologische Zeitschrift, Vol. 12, No. 2, April 2003
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