Abstract
Im vorliegenden Buch des Verlages für Wissenschaft und Forschung aus dem Jahr 2003 wird untersucht, warum Männer keine sexuelle Gewalt gegen Frauen ausüben. Ziel der Autorin ist, die Bedingungen herauszuarbeiten, in denen sich Männer "sexuell gewaltlos" verhalten. Sie versteht ihre Arbeit als einen Beitrag zur Prävention sexueller Gewalt gegen Frauen. In den fünf Teilen ihres Buches betrachtet die Autorin die Problematik jeweils aus einer anderen Perspektive. Sie beginnt mit dem theoretischen und methodischen Hintergrund. Dann richtet sich ihr Blick auf den Stand der Forschung zu sexueller Gewalt und ihren Tätern. Sie beleuchtet eingehend die Risikofaktorenforschung und stellt unter dem Problemfokus eine Fragebogenuntersuchung mit ihren Ergebnissen zur Prägvalenz sexuellen Gesamtverhaltens und sexueller Gewaltbereitschaft vor. Ein Perspektivwechsel ist die Untersuchung von Männern, die sich nicht sexuell gewalttätig verhalten, eine Generalisierung ihrer Ergebnisse schließt die Autorin jedoch noch aus. Im Schwerpunkt Prävention sexueller Gewalt gegen Frauen fasst die Autorin den Forschungsstand zu jungen- und männerzentrierten Ansätzen zusammen und belegt auf der Grundlage eigener Forschungsergebnisse, dass eine jungen- und männerzentrierte Arbeit die Prävention sexueller Gewalt gegen Frauen einschließt.
Die Ergebnisse verweisen auf eine hohe praktische Relevanz, insofern als im Rahmen der Prävention sexueller Gewalt gegen Frauen die bisher vernachlässigte Zielgruppe der Jungen und Männer angesprochen wird. Das Buch vermittelt wichtige Impulse auch für Eltern, Lehrerinnen und Lehrer sowie für Personen, die im Kinder-, Jugend- und Familienbereich tätig sind. Das Literaturverzeichnis im Anhang ist eine Fundgrube für alle, die sich ausführlicher mit der Problematik beschäftigen wollen.
Frauenhaus Koordinierung, Nr.7, S. 59 (Sonderinfo 7 zum Aktionsplan der Bun- desregierung zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen)
"Alle Männer sind 'potentielle Vergewaltiger'"? - Einige nicht!
Das 2002 erschienene Buch Sexuelle Gewalt gegen Frauen von Susanne Kade ist ein umfangreicher und detaillierter Bericht über eine - theoretisch fundierte - empirische Untersuchung möglicher (Sozialisations-) Bedingungen, unter denen sich Männer "sexuell gewaltlos" verhalten, ergänzt um Überlegungen, wie solche Bedingungen bei Jungen und Männern präventiv gefördert werden können. Zentrales Anliegen der Autorin ist die durch einen Perspektivenwechsel (von der potentiellen Täterschaft aller Männer hin zur sexuellen Gewaltlosigkeit einiger) mögliche Ressourcenorientierung bei der Präventionsarbeit.
Das Buch von Susanne Kade behandelt zwei zentrale Themen: Einmal sucht sie in der einschlägigen relevanten Literatur ... Zum anderen hat sie sich das Ziel gesetzt, einen Beitrag zur Prävention sexueller Gewalt gegen Frauen zu leisten, indem sie nach Wegen sucht, die vorgefundenen Bedingungen für ("relative") sexuelle Gewaltlosigkeit von Männern in Präventionsprogramme zu implementieren.
Um diese beiden Ziele zu verfolgen, sieht sich Susanne Kade genötigt, eine Reihe von Zwischenzielen zu definieren. So erachtet sie es für notwendig, zunächst einmal "sexuelle Gewaltlosigkeit" zu definieren und zu operationalisieren sowie ihr methodisches Vorgehen zu verdeutlichen und zu begründen...
(Teil I). Da sie in der einschlägigen Literatur nicht fündig wird, referiert sie ersatzweise den wissenschaftlichen Kenntnisstand bezüglich sexueller Gewalttäter, um aus den Bedingungsfaktoren, die sexuell gewalttätiges Verhalten begünstigen, im Umkehrschluss Hinweise auf sexuell gewaltloses Verhalten zu erhalten (Teil II). Sodann vollzieht sie den Perspektivenwechsel hin zur sexuellen Gewaltlosigkeit und ermittelt nach und nach auf Grund ihrer empirischen Befunde Möglichkeiten zur Identifikation sexuell gewaltloser Männer und zur Ermittlung protektiver Faktoren; schließlich konkretisiert sie das Konstrukt der sexuellen Gewaltlosigkeit mit empirischen Ergebnissen (Teil III). Möglichkeiten, sexuelle Gewaltlosigkeit präventiv zu fördern, beschreibt Susanne Kade in Teil IV der Arbeit; Teil V bietet eine selbstkritische Zusammenfassung der Ergebnisse sowie einen Ausblick auf notwendige weiterführende wissenschaftliche wie praktische Fragestellungen....
In dem Teil, den Susanne Kade dem Thema "Sexuelle Gewalttäter" widmet, ... umschreibt sie "sexuelle Gewalt" als "psychischen und/oder physischen Zwang, durch den Männer sexuelle Handlungen mit Frauen initiieren und ausführen" (S. 42). Was die Häufigkeit sexueller Gewalt angeht, bezieht sich Susanne Kade hauptsächlich auf Ergebnisse von empirischen Untersuchungen, die mit Hilfe zweier (englischsprachiger) Fragebögen gewonnen wurden....
...Aus den Ergebnissen der empirischen Untersuchung leitet Susanne Kade konsequenterweise ab, dass diese Haltungen und Fertigkeiten bei der Präventionsarbeit mit Jungen und Männern eingeübt werden sollten. Sie diskutiert entsprechende Möglichkeiten und verweist darauf, dass hier noch viel Entwicklungsarbeit vonnöten ist.....
....unter akademischen Gesichtspunkten halte ich die Dissertation für sehr solide; unter der Anwendungsperspektive ist das Buch zwar ebenfalls recht ergiebig, verlangt von den Leser-/innen jedoch sehr viel Disziplin, zumal das Lay-out mit seiner winzigen Druckbuchstabengröße die Lektüre auch nicht gerade erleichtert. Zwei oder drei kürzere (Zeitschriften-) Beiträge wären hier vorzuziehen und dann unbedingt empfehlenswert.
Den besonderen Verdienst des Werkes sehe ich in dem konsequenten Perspektivenwechsel hin zur sexuellen Gewaltfreiheit, einem Blickwinkel, der das Herausarbeiten von protektiven Faktoren erleichtert, von Faktoren, die dabei helfen, Jungen und Männer davon abzuhalten, sich Mädchen und Frauen gegenüber sexuell gewalttätig zu verhalten. Dies ist für Überlegungen für eine ressourcenorientierte Präventionsarbeit von großem Nutzen.
Prof. Dr. Arnfried Bintig, Fachhochschule Köln, Institut für Geschlechterstudien
Querelles-Net , Rezensionszeitschrift für Frauen- und Geschlechterforschung, Nummer 11/ November 2003, Internet: www.querelles-net.de
"Susanne Kade hat eine Arbeit vorgelegt, die protektive Faktoren im Hinblick auf sexuelle Gewalt ermitteln will. Nachdem in der Literatur eine Reihe von Studien zu Risikofaktoren hinsichtlich sexueller Gewalttätigkeit existieren, ist dieser Perspektivenwechsel von der pathogenen zur salutogenen Perspektive sehr begrüßenswert.
Kade gibt zunächst einen Überblick über die Literatur. Sie stellt die Tradition der Männerforschung dar, klärt den Begriff sexueller Gewalt, berichtet Ergebnisse zur Epidemiologie sexueller Gewalthandlungen, stellt in diesem Zusammenhang verschiedene Erhebungsinstrumente vor und präsentiert epidemiologische Befunde. Anschließend stellt Kade Ätiologie-Modelle zur sexuellen Gewalt gegen Frauen und auf der Basis der Literatur Risikofaktoren für Täterschaft dar. Dabei berücksichtigt sie demografische Merkmale, Persönlichkeitsfaktoren und biografische Faktoren. In einem Perspektivenwechsel lenkt sie dann den Blick auf sogenannte „sexuell gewaltlose“ Männer und fragt nach protektiven Faktoren - also danach, was diese Männer gewaltlos werden ließ.
Die eigene empirische Untersuchung hat das übergreifende Ziel, Bedingungen zu identifizieren, die Männer dazu bringen, sich sexuell gewaltlos zu verhalten. Die Untersuchung besteht aus mehreren Teilen. Zunächst erfolgte eine schriftliche Befragung mit knapp 250 Studenten und Mitarbeitern der Universität Bamberg zur Verbreitung von Täterschaft. Hier wurden Fragebogen in Lehrveranstaltungen verteilt und Mitarbeiter angeschrieben.
Es folgte eine Vorstudie mit 12 Männern, in der erste Anhaltspunkte für protektive Faktoren ermittelt werden und die Verfahrens- und Vorgehensweise beim Interview geprüft werden sollte. Ergebnisse aus der Vorstudie, die in der Hauptstudie berücksichtigt wurden, sind die Themenfelder des Interviewleitfadens sowie Aspekte des Vorgehens beim Interview.
Für die Hauptstudie wurden 16 ,sexuell gewaltlose‘ Männer aus der ersten Fragebogenerhebung zur Verbreitung sexueller Gewalt selektiert. Als sexuell gewaltlos definiert Kade die Männer, die in der Vergangenheit keine sexuelle Gewalt ausgeübt hatten und bei denen dies auch für die in Zukunft anzunehmen war.
Im Interview wurden Fragen zu folgenden Bereichen gestellt: sexuelle Gewalt und sexuelle Gewaltlosigkeit, biographische Einflüsse bezüglich der Entwicklung zu sexueller Gewaltlosigkeit, jungen- und männerzentrierte Präventionsvorschläge sowie Umgang mit Macht und Machtlosigkeit. Die Auswertung der Interviews erfolgte auf der Basis qualitativer Inhaltsanalysen, unterstützt durch das Auswertungsprogramm Atlas. Beobachterübereinstimmung wurde geprüft und erwies sich als zufriedenstellend."
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