Abstract
Multimedia, Begriff für digitalisierte Verknüpfung von bisher getrennten Medien, wie Video, Bilder, Texte, Animation, Klänge, Sprache, Musik, ... und die Möglichkeiten der digitalen audiovisuellen Tele-Kommunikation, erfordert nach einem Abgleich mit den Daten der bisherigen Medienforschung eine neue, rezipientenorientierte Studie. Die vorliegende Dissertation vermittelt erste Anhaltspunkte. Die Gründe der Nutzung von Multimedia und Computer, die anwendungsbezogene Differenzierung von Zielvorstellungen bzw. Nutzungsmotiven, die Kompetenz- und Kenntnisunterschiede verschiedener Alters- und Bevölkerungsgruppen, die unterschiedlichen Nutzungs- bedürfnisse, die Einstellung zu den Neuen Medien, das Verständnis zum Erwerb von Medienkompetenz werden als "Multimedia-Phänomen" zu analysieren versucht.
Der empirische Beitrag begegnet dem Forschungs- und Kenntnisdefizit und vermittelt der Medienpädagogik neue Grundlagenkenntnisse und decken den Handlungsbedarf der Förderung der Medienkompetenz ab.
Medien Impulse, Beiträge zur Medienpädagogik, Nr. 46, Dez. 2003, Seite 89
"Vor dem Hintergrund der dynamischen Entwicklungen im Medienbereich richtet sich der vorliegende Titel auf einen zunehmend wesentlichen Gegenstand der Medienpädagogik und Medienforschung: die Nutzung von Multimedia-Angeboten.
Hauptanliegen der Arbeit ist eine den Entwicklungen im Medienbereich und den erweiterten Anforderungen an Medienkompetenzen angemessenere Wissensbasis für strategische Überlegungen innerhalb der Medienpädagogik bereitzustellen. Im Zentrum des Erkenntnisinteresses stehen dabei Selektions- und Entscheidungsprozesse bei (potentiellen) Multimedia-Nutzern, insbesondere deren auf Multimedia bezogene Wissensbestände und Erfahrungen, Vorstellungen, Erwartungen und Motivationen.
Thema und Anliegen des Titels sind der Medienpädagogik und der für die Zielsetzungen, Konzepte und Maßnahmen der Medienpädagogik relevanten - rezipienten- bzw. nutzerorientierten - Medienforschung zuzuordnen.
Es wird eine Systematisierung der Medienpädagogik im Hinblick auf ihre gegenwärtigen Ziele und Konzepte vorgenommen. Dabei werden die im Zuge der Veränderungen im Medienbereich - erweiterten Anforderungen an die Medienpädagogik und an die Dimensionierung von ‚Medienkompetenz‘ sowie
- die Notwendigkeit grundlegender Erkenntnisse aus der Medienforschung angesprochen.
Neben medienpädagogisch relevanten Problembereichen und Wirkungsannahmen werden hierbei unter dem Gesichtspunkt von Konsequenzen für die Medienpädagogik spezifische „Anforderungen an Computer- und Multimedianutzer im Sinne medienkompetenter Nutzung“ erörtert. Im Hinblick auf eine ‚kompetente‘ Nutzung werden dabei insbesondere Anforderungen auf der Ebene der Technikkompetenz, der „Anwendungskenntnisse und -fertigkeiten“ sowie auf den mit einer Entscheidung für die Multimedia-Nutzung verbundenen kognitiven, affektiven und motivationalen Dimensionen der Medienkompetenz (einschließlich Kenntnisse zu Multimedia-Angeboten und deren Möglichkeiten, Angemessenheit von Zielvorstellungen etc.) erläutert und diskutiert.
Desweiteren geht der Autor auf Begriffsdefinition und Bedeutung von ‚Multimedia‘ und ‚Interaktivität‘ ein, erläutert und diskutiert die Entwicklungen von Computer- und Multimedia-Angeboten und ihrer Verbreitung, systematisiert Differenzierungen von Computeranwendungen im Privatbereich und geht der für medienpädagogische Zielsetzungen und Maßnahmen wesentlichen Frage nach der Verteilung von Multimedia-Zugangschancen und -Kompetenzen in den verschiedenen Bevölkerungsgruppen (‚Polarisierungsthese‘) nach.
Grundlegende Untersuchungsfragen richten sich auf
- Multimediabezogene Vorstellungen, Erwartungen und Ziele
- deren Angemessenheit
- deren Entstehungsbasis bzw. ‚Quelle‘
- Grenzen und Hindernisse einer erfolgreichen Zielumsetzung
- potentielle Veränderungen von Zielvorstellungen und Einstellungen im Verlauf der Erfahrungen und Auseinandersetzung mit Multimedia
- Verteilung von Multimedia-Zugangschancen und -Voraussetzungen in den verschiedenen Bevölkerungsgruppen (‚Polarisierungsthese‘)
Theoretischer Bezugsrahmen bildet der ‚Uses-And-Gratifications-Approach‘ (‚Nutzen- und Belohnungsansatz‘), der - auch in seinen „Weiterentwicklungen und Ausdifferenzierungen“ - erläutert und kritisch diskutiert wird.
Vor diesem Hintergrund wird eine differenzierte Aufarbeitung der für die Anliegen der Arbeit wesentlichen Forschungsarbeiten und -ergebnisse unternommen (zur Nutzung von Computern und Multimedia, zu Nutzungsvoraussetzungen, -kompetenzen und Rahmenbedingungen, zu Nutzungspräferenzen, -gründen und -motiven, zu Bewertungen bzw. Einstellungen gegenüber Computer- und Multimedia-Entwicklungen) und entsprechend dem Hintergrund des eigenen Untersuchungsgegenstandes sowie des medienpädagogischen Anliegens der Arbeit angepaßte und ausdifferenzierte Modellvorstellung dargestellt.
Schwerpunkte des theoretischen Gerüsts beziehen sich auf
- eine Kategorisierung bzw. Differenzierung von Motiven zur Computer-/ Multimedia-Anschaffung und -Nutzung als Entscheidungsgrundlage potentieller Multimedia-Nutzer
- den Prozeß der Entscheidung für Anschaffung und Nutzung von Multimedia-Angeboten, der im Hinblick auf Einstellungen und Anstoß zur Multimedia-Nutzung, die „kognitive Entscheidungsbasis“ in Verbindung mit zugrundeliegenden Bedürfnissen und individuellen Einflußgrößen (wie medien-/computerbezogenen Vorkenntnissen, Erfahrungen und Vorstellungen, aber auch Persönlichkeitsmerkmalen etc.), unter Berücksichtigung entscheidungstheoretischer Erkenntnisse vorgestellt wird
- die Computernutzung, die als Mehrebenen-Prozeß der Kompetenzaneignung, Motivation und Zielerreichung differenziert wird
- die Dynamik motivationaler Prozesse und die Veränderbarkeit von Erfahrungen, Einstellungen und Motiven, die abschließend - auf Basis motivationstheoretischer Ansätze - in einem dynamischen Handlungsmodell verdeutlicht werden
Neben einer differenzierten und systematischen Darstellung der empirischen Analysen und Ergebnisse (inkl. Kurzzusammenfassungen) wird ein Ausblick zu den Heraus- forderungen an die Medienpädagogik und an die sie fundierende Medienforschung gegeben und auch konkrete Strategien vorgeschlagen und diskutiert, u.a. zu Fragen,
- wie den aus der Vielfalt der Multimedia-Anwendungen resultierenden forschungsökonomischen Problemen zu begegnen ist,
- wie zukünftige Untersuchungen zu Motiven der Multimedia-Nutzung vorgehen sollten bzw. welche Aspekte dabei zu berücksichtigen sind,
- für welche Aufgaben und innerhalb welcher Grenzen Medienpädagogik für den Bereich Computer- und Multimedia-Nutzung zuständig sein kann,
- welche Medienkompetenzen zukünftig eine wichtige Rolle spielen
- was angesichts der festgestellten Befunde zur Wissens- und Kompetenzkluft (‚Polarisierungsthese‘) im Rahmen von Erziehung und Erwachsenenbildung zu beachten ist
- wie bezüglich der Förderung von Medienkompetenz einzelner „benachteiligter“ Zielgruppen innerhalb der Erwachsenenbildung vorgegangen werden könnte."
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