Abstract
Anlass und Ziel der Untersuchung
Durch die knapp 40-jährige Isolation West-Berlins, sowie die den Eigenheimbau hemmende Wohnungspolitik in Ost-Berlin, hat sich eine einzigartige Siedlungskante herausgebildet, die in ihrer Schärfe einmalig in Europa ist. Nach der deutschen Wiedervereinigung wurden verschiedene Modelle zur künftigen räumlichen Entwicklung des Metropolenraums diskutiert mit dem Ziel, im Sinne der Nachhaltigkeit die natürlichen Lebensgrundlagen durch eine ausgewogene Siedlungs-, Gewerbe- und Freiraumentwicklung zu erhalten. Um die Stadtkante Berlins zu bewahren und den Suburbanisierungsprozeß zu kanalisieren, ist 1996 von der Gemeinsamen Landesplanung der Länder Berlin und Brandenburg (GL) das Regionalpark-Konzept entwickelt worden.
Innerhalb eines 15km breiten Streifens um die Kernstadt Berlin schlägt die GL Gebiete zur Entwicklung von 8 Regionalparks vor, deren Fläche länderübergreifend bis in das Stadtgebiet hineinreicht. Diese sind: die wald- und seenreichen Regionalparks Potsdamer Havelseen und Müggel-Spree, die auf den Hochflächen gelegenen Regionalparks Barnimer Feldmark, Teltow Park und Flutgrabenaue mit offener Feldflur und Alleen sowie die Regionalparks Döberitzer Heide, Krämer Forst und der Naturpark Barnim mit Heideflächen und großem Waldbestand. Ein Regionalpark entspricht keiner Ausweisung von Schutzgebieten nach dem Naturschutzgesetz. Siedlungserweiterung und Gewerbeansiedlung sind zugelassen, allerdings soll dies in einem verträglichen Maße geschehen und koordiniert werden. Hauptziele sind: die Bündelung nachbarschaftlicher Interessen bzw. Kooperation, die Qualifizierung der Landschaft zur Naherholug, der Aufbau regionaler Wirtschaftsketten sowie die Stärkung der endogenen Potentiale zur Bildung einer regionalen Identität.
Anstelle von festen Vorgaben und Restriktionen verfolgt die GL eine Angebotsplanung, die entsprechend der neuen Planungsauffassung v.a. auf die Anwendung informeller Handlungsweisen und eine Entwicklung von unten durch die Kommunen setzt. In der erfolgten Querschnittsanalyse wird anhand von sechs Untersuchungskriterien geprüft, in wieweit Regionalparks ein weiteres Beispiel zur Anwendung der neuen Planungskultur bilden, wie weit der Entwicklungsstand nach 4 Jahren vorangeschritten ist, und ob dieses Konzept einen erfolgreichen Ansatz für eine nachhaltige Regionalentwicklung darstellt.
Untersuchungsergebnisse
Da der Naturpark Barnim anderen rechtlichen Rahmenbedingungen unterliegt, blieb er im vorgenommenen Querschnittsvergleich unberücksichtigt. Von den 7 restlichen Regionalpark-Entwicklungsräumen hat in 6 Gebieten eine Entwicklung begonnen, die unterschiedliche Entwicklungsstände aufweist. Ausnahme bildet das Gebiet Flutgrabenaue in unmittelbarer Nähe zum künftigen Großflughafen Berlin-Brandenburg-International.
Die Detailanalyse ergab, dass die folgenden Faktoren eine erfolgreiche Regionalpark- entwicklung fördern:
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vielfältige landschaftliche Qualitäten,
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Bekanntheitsgrad der Region als Naherholungsziel,
geringer sonstiger Entwicklungsdruck,
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Engagement der beteiligten Personen und
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gute Öffentlichkeitsarbeit.
Hemmende Faktoren sind:
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hoher Entwicklungsdruck durch Siedlungsentwicklung und Gewerbeansiedlung,
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Assoziation mit Naturschutz und der Furcht vor Restriktionen,
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fehlendes Know How der Akteure sowie
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teilweise auftretendes “Kirchturmdenken” bzw. politische Rivalitäten.
Die gewählte Organisationsform der interkommunalen Zusammenarbeit reicht von Kommunaler Arbeitsgemeinschaft über Verein bis Zweckverband (iG).
Am besten verläuft die Regionalpark-Entwicklung bisher in den Regionalparks Barnimer Feldmark, Krämer Forst und Müggel-Spree. Hier wurden feste Organisations- bzw. Arbeitsformen gebildet. Umsetzungserfolge sind bisher v.a. in den Bereichen Wegebau und Öffentlichkeitsarbeit zur Verbesserung der touristischen Infrastruktur, Vermarktung regionaler Produkte (z.B. des Kartoffelschnaps “Feldmärker”) sowie Durchführung identitätsstiftender Veranstaltungen (Regionalparklauf, Bauernmärkte) erzielt worden.
In Gebieten mit hohem Entwicklungsdruck wie dem Teltow Park verläuft die Regionalpark-Entwicklung am schlechtesten.
Zur Förderung der interregionalen Kooperation d.h. des gegenseitigen Erfahrungsaustausches und der Vertretung gemeinsamer Interessen gegenüber der Landesregierung ist eine Interessengemeinschaft gegründet worden. Die angestrebte länderübergreifende Kooperation erfolgt z.Zt. nur in 2 der 7 Parks. Um die angelaufene Regionalpark-Entwicklung zu unterstützen und die regionale Kooperation zu stärken hat die GL für das kommende Jahr ein Büro als Fachberater und Moderator beauftragt.
Bewertung:
Die Autorin weist in den Einzelanalysen der Regionalparks nach, dass die aufgestellten Kriterien der neuen Planungskultur erfüllt werden. Regionalparks bilden somit ein weiteres Beispiel zur Anwendung der neuen Planungskultur. In der Gesamtbewertung wird das Regionalpark-Modells als ein lohnenswerter Ansatz für eine ganzheitliche nachhaltige Regionalentwicklung eingeschätzt. Die große Bedeutung von professioneller Moderation in solchen Prozessen sowie von guter Öffentlichkeitsarbeit zur Schaffung einer breiten Akzeptanz wird herausgestellt.
Kritik wird v.a. am Fehlen eines allgemeinem politischen ressortübergreifendem Bekenntnisses zur Regionalpark-Entwicklung geübt. Z.Zt. liegt die Zuständigkeit der Regionalpark-Entwicklung allein bei der Freiraumentwicklung und Fördermöglichkeiten sind sehr begrenzt. Abschließend unterbreitet die Autorin an die verschiedenen Akteursgruppen (Landesregierung, Landkreise, lokale Akteure) Ansätze zur Verbesserung der Regionalpark- Entwicklung.
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