|
Simon, Holger
Der Creglinger Marienaltar von Tilman Riemenschneider
Reihe:
Akademische Abhandlung zur Kunstgeschichte
ISBN: 978-3-89700-280-7
2002
Preis: 34,90 €
263 Seiten
|

|
Abstract
Der Creglinger Marienaltar von Tilman Riemenschneider (um 1460 - 1531) ist einer der bekanntesten und bedeutendsten spätgotischen Schnitzaltäre. Eine grundlegende monographische Bearbeitung fehlt; die Forschung bezieht sich bis heute auf Arbeiten von Justus Bier (1930). Preis der Offermann-Hergarten Stiftung 1999.
In einem umfassenden Forschungsbericht wird erstmalig die gesamte Forschungsliteratur, einschließlich der Quellen und Zeugnisse problemorientiert auf genommen und kritisch diskutiert und damit eine gute Grundlage für eine Neubearbeitung gelegt, die auch späteren Forschungen dienlich sein wird.
Die Schwerpunkte dieser Arbeit tangieren zwei grundlegende methodische Bereiche der Kunstgeschichte. Zum einen wird nach der Bedeutung und Funktion des Retabels gefragt, und zum anderen werden anhand der stilkritischen Methode Fragen nach Datierung, Einordnung und Händescheidung kritisch erörtert. Innerhalb der ikonographischen Analyse, die alle Bildwerke am Retabel als traditionelle Bildtypen nachweisen kann, nimmt die Bildgeschichte der Aufnahme Mariens einen besonderen Stellenwert ein. Über die bisherige ikonographische Forschung hinausgehend können zwei Bildtypen für die Darstellung der Aufnahme Mariens nachgewiesen werden, die im 11. Jahrhundert bzw. um 1200 unabhängig voneinander im Abendland entwickelt wurden und die Darstellung Mariens in den folgenden Jahrhunderten bestimmen. Riemenschneider erfindet hier keinen neuen Bildtyp, wie es häufig angenommen wurde, sondern er bezieht sich auf den im 11. Jahrhundert entwickelten Typus der stehenden, von Engeln aufgenommenen Maria-Orans, der bis ins 15. Jahrhundert zumeist in Stundenbüchern nachzuweisen und dort von der Forschung bislang unbeachtet blieb.
Die ikonographischen Veränderungen innerhalb der Bildgeschichte lassen einen spezifischen Bildbegriff erkennen, der auch für Riemenschneider bildprägend war. Schließlich läßt sich ein ikonographisches Programm am Creglinger Altar nachweisen, das die Aufnahme
Mariens mit Darstellungen der Sieben Freuden Mariens verbindet. Dieses Programm verweist auf eine im 15. Jahrhundert verbreitete Gebetspraxis, in dessen Kontext das Retabel abschließend gedeutet wird.
Eine kritische Darlegung der stilkritischen Methode führt zu dem Nachweis, daß die Anwendung dieser Methode in bezug auf das umfangreiche Ouvre Riemenschneiders zu keinen methodisch fundierten Erkenntnissen hinsichtlich der Datierung, Einordnung und Händescheidung führen kann. Die bisherige Datierung ist obsolet und das Retabel kann lediglich aufgrund von verwendeten graphischen Vorlagen in die Zeit nach 1493 datiert werden. Damit muß die Standortfrage neu aufgeworfen und andere Orte als ursprüngliche Aufstellungsmöglichkeit neu diskutiert werden.
Eine historische Darstellung zum heutigen Standort, der Herrgottskapelle bei Creglingen, die unter anderem die Probleme einer dort ursprünglichen Aufstellung thematisiert, ein vorläufiger restauratorisch-naturwissenschaftlicher Bestandsbericht und viele bislang unveröffentlichte Bildwerke und Fotografien runden die monographische Arbeit ab.
Bestellung
|
webmaster@vwf.de
|
|