Abstract
Sowohl in der afrikanischen Unternehmerforschung, als auch in den Analysen entwicklungspolitischer Organisationen wird ein gravierender Mangel an unterneh- merischen Initiativen in afrikanischen Volkswirtschaften konstatiert. Das schöpferische und innovative Wirken, welches unternehmerisches Handeln per definitionem betimmt, kontrastriert mit empirischen Beobachtungen, die eine explizit undynamische und konservative Geschäftsethik afrikanischer Gewerbetreibender herausstellen.
In Ergänzung zu den üblichen Erklärungsansätzen, die Defizite unternehmerischen Handelns entweder auf Managementprobleme oder auf ein unternehmerfeindliches Umfeld zurückführen, kommt diese Arbeit zu einem abweichenden Ergebnis: Wie anhand einer wirtschaftshistorischen Analyse des Gewerbesektors in der ehemaligen Transkei nachgewiesen wird, ist der Mangel unternehmerischer Initiativen sichtbarer Ausdruck einer systematisch erfolgten Exklusion unternehmerisch versierter Kräfte aus der Sphäre der Privatwirtschaft.
Da dieser Ausschluss politischen Motiven folgte und sich gezielter administrativer Maßnahmen bediente, verweisen die heute konstatierten stagnativen Grundtendenzen wirtschaftlichen Handelns weniger auf bestimmte kulturelle Gesellschaftsdispositionen, als auf die Folgen einer politischen Ökonomie, die sich weniger dem Primat der ökonomischen Rationalität, als an der Realisierung ideologischer Visionen orientierte.
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