Wiedemann, Inga
Die Schriften für Witwen in der Frühen Neuzeit
Reihe: Geschichte
ISBN 3-89700-3121-X
2001
Preis: 19,90 €
Seiten
Abstract
"Die ersten Kapitel dieses Buches befassen sich mit der Institution Ehe, die im 16. Jahrhundert einen neuen Stellenwert erhielt. Die Reformatoren um Luther erwarteten von dem Ehepaar Moral, Keuschheit, Fleiß, Sparsamkeit, Zuverlässigkeit, Frömmigkeit und eine entsprechende Kindererziehung. Diese Tugenden und Eigenschaften sollten vor allem von den Ehefrauen gelebt werden. So wurde die jahrhundertealte Diskussion um Wert oder Unwert der Frau im 16. Jahrhundert von einer neuen Warte aus geführt. Die Frauen erhielten in den Reformatoren, später auch in den Pfarrern der Gegenreformation, Fürsprecher, sofern sie sich den gesetzten moralischen Normen entsprechend verhielten.
Daher geht ein Kapitel auf das Lob der Ehe ein, die mit vielen Bibelzitaten in Predigten und den damals so populären Ehezuchtbüchlein gepriesen wurde. Nur unter dem „Joch“ der Ehe konnten Mann und Frau gesellschaftlichen und ökonomischen Nutzen erarbeiten. Frauen wurden jedoch nur als Gehilfinnen ihrer Männer angesehen, und man erwartete unbedingten Gehorsam von ihnen. Vor allem weibliche Geschwätzigkeit und weiblicher Leichtsinn werden schwer gegeißelt. Nach einer differenzierten Einführung in diese Schriften zur Ehe geht die Autorin auf die Literatur für Witwen ein. Witwen genossen einen besonderen Stellenwert in der Gesellschaft der Frühen Neuzeit. Man fürchtete und bespöttelte ihre angeblich ungehemmte Sexualität, ihre Verschwendungssucht, ihre stiefmütterlichen Gefühle gegenüber den Kindern des verstorbenen Gatten. Dem sollte in den „Witwenspiegeln“ und in vielen gedruckten Leichenpredigten auf Ehemänner und Witwen Einhalt geboten werden. Die Witwenspiegel waren nach einem häufig wiederholten Schema aufgebaut, das Trauer, Trost und Verheißung vermittelte. Die hier geforderten Tugenden und die biblischen Vorbilder der Witwe werden ausführlich beschrieben. Viele Zitate aus den Schriften verdeutlichen dem Leser, in welchem Stil und mit welcher Rhetorik der Kampf um weibliche Moral geführt wurde.
Das letzte Kapitel schildert die „Sanktionen“, die gegen unbotmäßige Frauen verhängt wurden. Sie reichten von gesellschaftlicher Ächtung bis zu Angriffen auf Leib und Leben – man denke an die zahlreichen Hexenprozesse. Eine annotierte Bibliographie gibt Aufschluss über die untersuchten Schriften und deren Verfasser."
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