Rausch, Stefan
Eine Untersuchung zur Arzt-Rolle unter besonderer Berücksichtigung des Arzt/Patienten-Verhältnisses und der professionellen Situation der Ärzteschaft in Ost- und Westdeutschland
Ähnlichkeit trotz vormaligen Systemunterschieds?
Reihe:
Akademische Abhandlung zur Soziologie
ISBN: 978-3-89700-203-6
1999
Preis: 39,90 €
200 Seiten
Abstract
Mit dem vorliegenden Titel soll durch eine differenzierte Analyse Aufschluß über die gegenwärtige professionelle Situation der in eigener Praxis niedergelassenen Ärzte- schaft Deutschlands erzielt werden.
Zentraler Gegenstand der Untersuchung soll dabei die vergleichende Analyse in den Meinungen und Ansichten der niedergelassenen Ärzte in Ost- und Westdeutschland zu Fragestellungen sein, die die diesbezügliche gemeinsame Integration von Ost und West einige Jahre nach der Vereinigung beider deutscher Staaten betreffen, denn während der langjährigen Teilung Deutschlands war nicht nur das politische System in beiden deutschen Staaten völlig unterschiedlich geprägt, sondern auch der Bereich des ambulanten Gesundheitssystems war weitgehend unterschiedlich strukturiert:
In der ehemaligen DDR war die ambulante Gesundheitsfürsorge staatlich organisiert und erfolgte ganz überwiegend durch die in den sogenannten Polikliniken arbeitenden Ärzte und kaum, wie in der BRD üblich, durch in eigener Praxis niedergelassene Ärzte. Fraglich ist also, ob sich Meinungen und Einstellungen der Ärzteschaft in Ost und West ähneln, ob sie mitunter völlig gleich sind, oder aber, ob sie sich nicht ähneln, vieleicht sogar völlig auseinander gehen.
Das Besondere dieser Analyse besteht somit nicht in einer generellen ideologischen Auseinandersetzung über die jeweiligen Vor- und Nachteile beider Gesellschafts- systeme, sondern ist in der Fragestellung nach den Unterschieden bzw. Gemein- samkeiten, gleichsam also systemisch in der Frage der Integration von Ost und West zu sehen.
Dabei konzentriert sich diese Untersuchung auf die Darstellung der Situation niedergelassener Ärzte, wobei von besonderem Interesse ist, wie die Ärzteschaft im Osten Deutschlands den Tranformationsprozeß von einem staatlichen zu einem kassenärztlichen System durchlaufen hat und bewertet, ob es große adaptive Schwierigkeiten gegeben hat und möglicherweise noch gibt, und wie die Ärzteschaft im Osten - und im Vergleich dazu im Westen - mit den zusätzlichen Schwierigkeiten fertig wird, die sich durch die Gesundheitsreform ergeben:
Die Situation des Ärztestandes im Osten soll also mit der Situation des Ärztestandes im Westen vergleichend analysiert werden. In der Analyse soll weiterhin das Selbstverständnis der deutschen Ärzteschaft in bezug auf das Verhältnis zu ihren Patienten besonders thematisiert werden, es soll daher ausführlich untersucht und geschildert und mit Hilfe eines sozialtheoretischen Ansatzes erläutert werden; insbesondere soll dabei auch Aufschluß über die Fragestellung erzielt werden, ob trotz der vorherigen Separation und den damit einhergegangenen verschiedenen Gesellschaftssystemen das Arzt/Patientenverhältnis in Ost- und Westdeutschland gleich ist, oder aber, ob es nicht gleich ist, und weiterhin, ob sich Unterschiede im Arzt/Patientenverhältnis empirisch nachweisen lassen, die möglicherweise bedingt sein könnten durch den Umstand, daß viele der niedergelassenen Ärzte nicht nur als Facharzt, sondern auch als sogenannter Hausarzt tätig sind, andere aber ausschließlich als Facharzt agieren. Für eine differenzierte Erörterung dieser Fragestellungen werden in dieser Arbeit zwei empirische Methoden miteinander verknüpft; zum einen gelangt eine qualitativ erhobene Untersuchung in die Analyse, zum anderen werden Daten einer quantitativen Erhebung in die Analyse eingebracht.
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