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Funk, Lothar und Green, Simon (eds.)

New Aspects of Labour Market Policy


Conference Volume of the third INFER-Workshop on Economic Policy


Reihe: INFER Studies Vol. 6
ISBN 978-3-89700-167-1
2002
Price: 24,90 €
150 pages

Buchcover


Abstract

Der Titel dieses Sammelbandes ist Programm: Die acht Beiträge gruppieren sich um (neue) Aspekte der Arbeitsmarktpolitik und sind insbesondere auf den Vergleich der deutschen und der britischen Politik der ‚New Labour' bzw. der ‚Neuen Mitte' fokussiert. Wie die Herausgeber wohlweislich vermerken, geht es nicht darum, einen systematischen Überblick über arbeitsmarktpolitische Diskussionen zu geben. Vielmehr wurde die Zielsetzung verfolgt, anhand bestimmter Schwerpunktthemen kritische und die Diskussion stimulierende Essays zu sammeln, ohne mit dem hehren Anspruch aufzutreten, die eine Lösung gefunden zu haben. Das klingt auf den ersten Blick sympathisch. Es wirft aber auf den zweiten Blick die Frage auf, welche der Essays besonders stimulierend auf die Diskussion wirken können.
Werner Sesselmeier leitet mit Hilfe einer makroökonomischen Argumentation und eines Vergleichs unterschiedlicher wohlfahrtsstaatlicher Typen in Europa die Unsinnigkeit einer europäischen Arbeitsmarktpolitik ab, weil die nationalen Unterschiede auf der strukturellen Ebene weiter Bestand haben und auch nicht ausgehebelt werden (können). Heinz Theisen und Werner Schönig spüren der Entwicklung und dem zeitweiligen Erfolg der ‚Neuen Mitte' nach und stellen eine erhebliche Kluft zwischen den ambitionierten langfristigen gesellschaftlichen Zielsetzungen auf der konzeptuellen Ebene und den tatsächlich durchgeführten Politiken fest. In Christine Harlens Analyse der Arbeitsmarktpolitik der deutschen Regierung wird der Misserfolg bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit als hausgemachtes Phänomen ausgemacht. Matthew Allen diskutiert Annahmen der ‚institutionellen Ökonomie' und kommt zu dem vorläufigen Schluss, dass die institutionellen Strukturen einer Volkswirtschaft bezogen auf ihre jeweilige Positionierung im globalen Wettbewerb relevant sind. Geoff Pugh, Lothar Funk und Thomas Lange werfen einen makroorientierten Blick auf den deutschen Arbeitsmarkt. Ihr Beitrag am Ende des Sammelbandes ist irreführend, weil er sich nicht etwa auf die davor stehenden Beiträgen bezieht, sondern ein Nachdruck eines einleitenden Artikels in einer Zeitschrift darstellt.
Analytisch aufklärend sind ohne Zweifel die Ausführungen von Rüdiger Wink, der die zukünftigen Anforderungen an Arbeitsmarktpolitik in Europa vor dem Hintergrund aktueller Trends diskutiert. Angesichts einer zunehmenden Alterung der europäischen Bevölkerung, die ja gerade in den renten- und gesundheitspolitischen Diskussionen viel Zündstoff in sich birgt, ist es absehbar, dass der Anteil älterer Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen an den gesamten Arbeitnehmern rapide ansteigen wird. Vor dem Hintergrund anwachsender Qualifizierungsanforderungen im Arbeitsleben und der weiterhin dominierenden Politik der Ausgliederung älterer Berufstätiger aus dem Arbeitsprozess wirft diese Prognose jedoch die Frage auf, ob die Gesellschaften der EU überhaupt in der Lage sind, ältere Menschen berufstätig zuhalten. Obgleich Wink eine Reihe von Zweifeln anmeldet, sieht er doch - angestoßen durch erfolgreiche Pilotprojekte der EU - einen Lernprozess in Gang gekommen, der positive Rückwirkungen auf die Ausgestaltung und Ausrichtung der Politik der verschiedenen Nationen haben kann. Vor allem der Vergleich arbeitsmarktpolitischer Strategien und good-practice-Beispielen, der zwischen den Ländern der EU stattfinden sollte, bietet seiner Ansicht nach die Chance, nationale bzw. auch regionale Barrieren und Verkrustungen der jeweiligen Systeme zu beseitigen.
Genauso relevant wie die Diskussion über die Berufstätigkeit älterer Arbeitnehmer/innen ist die über die Ausrichtung und Ausgestaltung der Einwanderungspolitik. Simon Green diskutiert die Politik in Großbritannien und in Deutschland: In beiden Ländern hat es einen erheblichen Wandel gegeben. Im Vergleich zu den sechziger und siebziger Jahren, in denen die Einwanderer/innen vornehmlich den inländischen Angebotsmangel an niedriger qualifizierten Arbeitskräften kompensierten, lässt sich in den letzten Jahren ein Nachfragewandel in der Wirtschaft feststellen, der sich in der Einwanderungspolitik niederschlägt: Nunmehr geht es darum, für höher bis hoch qualifizierte Tätigkeiten Arbeitskräfte aus anderen Nationen anzuwerben. Wie vor allem der Misserfolg der ‚Green Card'-Initiative in Deutschland gezeigt hat, fehlt es bislang jedoch generell noch an überzeugenden Strategien, in denen nicht nur die Interessen der Nachfrageseite, sondern auch die der Angebotsseite - der betroffenen Menschen - berücksichtigt werden. Green kommt deshalb zu dem Schluss, dass die Einwanderungspolitik in beiden Ländern wenig Hoffnung vermittelt, einen wesentlichen Beitrag zur Lösung der strukturell angelegten Arbeitsmarktprobleme geben zu können.
Sehr erhellend ist ohne Zweifel auch der Essay (!) von Corinne Nativel. Die Autorin diskutiert kenntnisreich sowohl die Entwicklung als auch die Chancen und Risiken lokaler Arbeitsmarktpolitik, der weiterhin eine zunehmende Bedeutung attestiert werden kann. Obgleich die Bewertung arbeitsmarkt-politischer Strategien und Projekte auf lokaler Ebene keineswegs nur positiv ausfällt, birgt die Verlagerung von Entscheidungskompetenzen von der nationalen über die regionale auf die lokale Ebene ein erhebliches Problemlösungspotential, weil den lokalen Gegebenheiten schneller und passgenauer gefolgt werden kann. Auf der lokalen Ebene wachsen damit natürlich die Kommunikationserfordernisse zwischen den relevanten Akteuren. Und es wächst die Anforderung, sich mit anderen auszutauschen und über den eigenen, lokal begrenzten Tellerrand zu schauen. Folgt man Nativels wohlwollend-kritischer Argumentation, hängt der zukünftige Erfolg lokaler Arbeitsmarktpolitik deshalb wesentlich davon ab, ob sich die Akteure in Kooperationsnetzwerken organisieren können, die die lokale mit den übergeordneten Ebenen verbinden helfen.
Zu empfehlen ist das Buch denjenigen, die an einer volkswirtschaftlich fundierten Analyse und Kritik derzeitiger Arbeitsmarktpolitiken in Europa interessiert sind. Dr. Michael Jonas (Wien)
Arbeit, Zeitschrift für Arbeitsforschung, Arbeitsgestaltung und Arbeitspolitik,
Heft 4/ 2003, S.345




Although many observers of German politics over the years have predicted the imminent demise of the German economic model, most have had their views confounded by the ability of the model to adapt to changing domestic and international conditions. But with the current situation of record unemployment and the debate surrounding Agenda 2010, the continued durability of the social market economy in Germany and within Europe as a whole has never been in more doubt.
In this respect New Aspects of Labour Market Policy has been produced at a particularly important time and makes a thought-provoking contribution to the debate. The book begins with Rüdiger Wink's evaluation of the growing problem of 'ageing European societies' and die impact this has on labour market strategies. This chapter is followed by Simon Green's comparative contribution looking at immigration into the UK and Germany. These two chapters and the third chapter by Christine Harlen on globalisation and the German labour market all point to die high level of complexity that exists in addressing the problem of simultaneous labour surplus and shortage in Europe. All three authors agree that 110 one solution exists and that die specific conditions at die national level need to be taken into consideration.
This view opens up the more detailed examinations of the German labour market presented by Matthew Allen on works councils and collective wage agreements and Corinne Nativel on the regional dimension in Germany. Werner Sesselmeir expands die debate to look at European employment policy and this is followed by a chapter by Heinz Thiesen and Werner Schönig, who consider the application of 'new centre' thinking on labour market strategy. Indeed, it is this chapter which brings out the central dilemma facing German and, in a broader context, European policy-makers in attempting to implement effective reform of the labour market while at the same time maintaining high social welfare provision for the sake of electoral expediency. The conclusion the authors lead us towards is that Germany is in danger of achieving neither. The book finishes with an institutional perspective on German labour market reform produced by Geoff Pugh, Lothar Funk and Thomas Lange. The authors quite correctly point out that 'the outcome of the reforms will be determined not only by their content but also by how they are implemented' (p.118). It is, therefore, a slight omission not to have spent more time considering the primacy of consensus politics which exists in Germany in this respect.
This is a well-constructed examination of the problems currently confronting the German and the wider European labour market and which will be of considerable Use to academics and practioners alike. The editors have done an outstanding job in weaving the chapters together in such a manner as to produce a coherent discussion on this extremely important topic in contemporary European affairs. GRAHAM TIMMINS, University of Stirling
German Politics, Vol. 12, No. 2, August 2003


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978-3-89700-167-1 New Aspects of Labour Market Policy 24,90 €

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