Abstract
Das neue INFER-Discussion Paper untersucht die historischen und gegenwärtigen Beiträge der asiatischen Minderheit zur volkswirtschaftlichen Entwicklung Tansanias. Zunächst wird die Heterogenität dieser Minderheit in Ostafrika aufgezeigt. Anschließend wird der Einwanderungsprozeß anhand verschiedener Zeitperioden dargestellt. Weil die schiitischen Teilgruppen innerhalb der asiatischen Minderheit in den letzten Jahrzehnten an Bedeutung gewonnen haben, werden drei religiöse Gemeinschaften (die Daudi-Bohra, die Khoja-Ismaili und die Ithnasheri) genauer beschrieben.
Im anschließenden Teil stehen die historischen Entwicklungsbeiträge - aber auch die negativen Aspekte - der asiatischen Immigration im Vordergrund. Hierbei herauszuheben sind die Einführung von Geld als Zahlungsmittel, die Schaffung von Kreditbeziehungen und die Anbindung des afrikanischen Hinterlandes an die Weltwirtschaft. Die Kapitalakkumulation im Handel ermöglichte den Aufbau erster industrieller Strukturen und die Schaffung formeller Arbeitsplätze. Jedoch gingen diese positiven Beiträge häufig zu Lasten der afrikanischen Mehrheit, wie die finanzielle Unterstützung des Sklavenhandels, der Ausbeutung afrikanischer Produzenten und der Errichtung von Monopolstellungen. Anschließend werden Gründe für den wirtschaftlichen Erfolg dieser Minderheit aufgezeigt. Zu diesen Gründen zählt ihre hohe Motivation als Einwanderer, eine Positivauslese unternehmerisch auch in Asien überdurchschnittlich erfolgreicher Teilgruppen und die Ausrichtung unternehmerischer Aktivitäten auf die Familie.
Abschließend wird nach der gegenwärtigen (und möglichen zukünftigen) Bedeutung dieser Minderheit vor dem Hintergrund sich wandelnder gesellschaftlicher Rahmenbedingungen in Tansania gefragt. Zentrale Beiträge werden in der Schaffung formeller Arbeitsplätze, Steuerzahlungen zur Konsolidierung des Staatshaushaltes und in ihrer Brückenfunktion für den Transfer von Real- und Humankapital gesehen.
|