Hornung, Jan
Zur Kryokonservierung adhärierter Zellen
Reihe:
Akademische Abhandlung zur Biologie
ISBN: 978-3-89700-044-6
1998
Preis: 34,90 €
135 Seiten
Abstract
In der vorliegenden Arbeit werden methodische Aspekte einer
Kryokonservierung von adhärierten Zellen auf artifiziellen Substraten
vorgestellt. Die Motivation für diese Untersuchungen folgt aus der
Suche nach geeigneten Verfahren zur langfristigen Aufbewahrung von
Zellen auf funktionalen und geeignet strukturierten Oberflächen, die
zunehmend zur Kultivierung, Charakterisierung und Manipulation der
Zellen in der biologischen und medizinischen Forschung Verwendung
finden. Beispiele sind Zellsensoren und auf Oberflächen in geordneter
Weise angelegte neuronale Netzwerke. Als Untersuchungsobjekte wurden
Fibroblasten der Maus in Form von etablierten Zellinien (NIH-3T3,
L929) gewählt, die sich auf strukturierten Glas- bzw.\
Silizium- materialien kultivieren lassen.
Besondere Aufmerksamkeit wurde der Untersuchung der Zelladhäsion und
deren Beeinflussung durch den Gefrier- und Auftauprozeß gewidmet.
Ausgehend von der aus geometrischen Modellbetrachtungen abgeleiteten
Vermutung einer hohen Widerstandsfähigkeit von stark ausgebreiteten und
ausreichend adhärierten Zellen gegenüber osmotischen Veränderungen
und mechanischen Belastungen wurden die Zellen in unterschiedlichen
Stadien der Zelladhäsion einem Gefrier- und Auftauzyklus unterworfen
und nachfolgend die Zellvitalität eingeschätzt. Parallel dazu
erfolgte vor und nach der Konservierung eine Bewertung der
Adhäsionstopographie der Zellen mittels Totalreflektionsmikroskopie
(TIRM). Hierbei zeigte sich, daß Veränderungen in der Zelladhäsion
auftreten können, die sich unter anderem in einer Ausbildung von
Membraneinstülpungen an der ventralen Membran äußern.
Um die Zelladhäsion zu unterstützen, wurden die Substrate mit einer
Polylysinbeschichtung versehen. Diese unspezifische
Adhäsionsverstärkung führte innerhalb der ersten 6 Stunden nach der
Aussaat zu einer charakteristischen Topographie und einer
erhöhten Widerstandsfähigkeit gegenüber mechanischen Belastungen,
nicht jedoch zu einer grundsätzlich höheren Überlebenswahrscheinlichkeit
der konservierten Zellen. Die Polylysin-induzierte
Adhäsionstopographie ist durch eine netzartige Kontaktstruktur mit
sehr engen Zell-Substrat Verbindungen gekennzeichnet.
Weitere Untersuchungen dienten der Einschätzung von osmotischen
Belastungen, die unter anderem bei der Zugabe von
Gefrierschutzmitteln (Additiven) auftreten können. Dazu wurden die
Zellen in Suspensionen unterschiedlicher Osmolarität über\-führt und
die Zellvolumina bei 0, 25 und 37\C ermittelt. Verhalten gemäß eines
idealen Osmometers konnte annähernd nur bei 0 und 25\C, nicht jedoch
bei 37\C beobachtet werden. Insbesondere bei 37\C ist eine
überproportionale Volumenzunahme im hypotonischen Bereich
charakteristisch. Mögliche Ursachen für dieses Verhalten werden im
einzelnen diskutiert.
Der Vergleich der mittels Totalreflektionsmikroskopie gewonnenen
Adhäsions- topographie mit der über Immunofluorochromierung darstellbaren
Verteilung der Fokalkontakte ermöglicht eine qualitative Bewertung der
verwendeten Methode. Aus weiteren Untersuchungen können Aussagen zur
Beeinflussung der mikroskopischen Abbildungsqualität und deren Verbesserung
abgeleitet werden.
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