|
Koehler, Jan und Heyer, Sonja (Hrsg.)
Zur Homepage des Autors
Anthropologie der Gewalt
Chancen und Grenzen der sozialwissenschaftlichen Forschung
Reihe:
Akademische Abhandlung zu den Politischen Wissenschaften
ISBN: 978-3-89700-028-6
1998
Preis: 32,90 €
280 Seiten
|

|
Abstract
Vierzehn junge Sozialwissenschaftler, die interdisziplinär und empirisch über Gewaltphänomene in verschiedenen Gesellschaften forschen, stellen die Ergebnisse ihrer zweijährigen intensiven Zusammenarbeit vor. Ausgangspunkt ist die Forschung vor Ort, in unterschiedlichen Kulturen, Ziel die vergleichende Analyse. Jan Koehler und Sonja Heyer, die als Tutoren die Forschungsgruppe zwei Jahre am Institut für Ethnologie der Freien Universität Berlin leiteten, präsentieren nun einen Sammelband, der es neben der Herausgabe von Beiträgen der Abschlußtagung unternimmt, in die sozial- anthropologische Gewaltforschung einzuführen. Die fast ausschließlich der empirischen Gewaltforschung gewidmeten Beiträge der Tagung wurden um solche erweitert, die den interdisziplinären Gewaltdiskurs aus politologischer, historischer und philosophischer Sicht bereichern.
Gewalt kann zerstören und neu erschaffen, hat also destruktive und konstruktive Momente zugleich. Während in der medialen Berichterstattung heute ein pejorativer Gewaltbegriff dominiert, der selbst auf den wissenschaftlichen Gewaltdiskurs übergreift, bemühen sich die Autoren deshalb um eine empirische, vergleichende und vorurteilsfreie Forschung. Strategien menschlicher Gewaltanwendung und -vermeidung jenseits von scheinbarem Chaos sind ihr Thema. So sind Arbeiten zu Konflikten in unterschiedlichsten Regionen der Welt entstanden. Dabei spannt sich der Bogen von gewalttätiger jugendlicher Bandenkriminalität in Berlin/Deutschland (Ferdinand Sutterluetty) über informelle Institutionen der Gewaltorganisation in Georgien (Jan Koehler) bis nach Chiapas/Mexico und die Veralltäglichung der dortigen Widerstands- organisation (Niels Barmeier). Gleich vier Beiträge zu Afrika zeigen das Spektrum empirischer Gewaltforschung auf, das sich von der systemreproduzierenden Gewalt zwischen Männern und Frauen bei den Samburu in Kenia (Elisabeth Ott) über Mikrostudien explosiver Gewaltentladung im ländlichen Bénin (Tilo Grätz) und einer gleichsam archäologischen Rekonstruktion gewaltsamer Auseinandersetzungen in Äthiopien (Thomas Zitelmann) bis zu einem Modell temporärer Staatlichkeit für das bürgerkriegsgeschüttelte Somalia (Sonja Heyer) erstreckt. Auch dem auseinander- gefallenen Jugoslawien widmen sich mehrere Autoren. Hier erweist sich der interdisziplinäre Ansatz der Forschungsgruppe als besonders fruchtbar.
Identitätstransformationen durch Vertreibung und Flucht werden an Hand empirischen Materials hinterfragt (Carolin Leutloff), kulturhistorisch gedeutet (Hannes Grandits) und in ein politologisches Erklärungsmuster eingebettet (Kristóf Gosztonyi).
Die Autoren scheuten sich nicht, ihre Forschungen dort durchzuführen, wo Konflikte ausbrechen, andauern oder rekonstruiert werden. Dabei sind auch Risiken, Chancen und Grenzen der empirischen Gewaltforschung ihr Thema.
Bestellung
|
webmaster@vwf.de
|
|