Casties, Manfred
Untersuchungen zum Zusammenhang zwischen Nutzerverhalten und Heizenergieverbrauch/-bedarf von Wohngebäuden
Reihe:
Akademische Abhandlung zu den Ingenieurwissenschaften
ISBN: 3-89700-005-9
1997
Preis: 46,90 €
243 Seiten
Abstract
Bei Wohngebäuden werden z.T. große Diskrepanzen zwischen gemessenem Heizenergieverbrauch und berechnetem Heizenergiebedarf aufgrund des Nutzer- verhaltens festgestellt. Vor diesem Hintergrund wird in der Untersuchung das System "Gebäude-Heizanlage-Umwelt-Nutzer" aus verschiedenen Sichtweisen betrachtet.
Bei der technischen Sichtweise zeigt sich, daß der Heizenergieverbrauch/-bedarf nur über technische Einflußgrößen beschrieben, erklärt bzw. vorhergesagt wird. In Berechnungsverfahren werden die Auswirkungen des Nutzerverhaltens i.d.R. als Rand- bedingungen fest vorgegeben. Bei bekannten Randbedingungen läßt sich der Heiz- energieverbrauch gut nachrechnen. Ein Problem ergibt sich bei der Vorhersage eines mittleren Heizenergiebedarfs bei unbekannten Auswirkungen des Nutzerverhaltens.
Aus verhaltensorientierter Sicht spielen in dem soziotechnischen System "Gebäude-Heizanlage-Umwelt-Nutzer" neben technischen auch soziologische, ökonomische oder psychologische Einflußgrößen eine Rolle. Es werden verhaltensorientierte Ansätze untersucht, in denen das Nutzerverhalten in bezug auf den Energieverbrauch funktional ausgewertet wird. In dieser Arbeit wird die Hypothese aufgestellt, daß solche Ansätze zur besseren Beschreibung, Erklärung und Vorhersage des Heizenergieverbrauchs/-bedarfs bzw. entsprechender Randbedingungen in den technischen Ansätzen herangezogen werden können. Es zeigte sich allerdings, daß eine einfache Erweiterung der technischen Ansätze durch eine entsprechende Übernahme von stochastischen verhaltensorientierten Zusammenhängen nicht möglich ist.
Aufgrund dieses Ergebnisses wird aus technisch/statistischer Sicht vorgeschlagen, den mittleren Heizenergiebedarf eines bewohnten Gebäudes aufzuteilen in einen berechenbaren physikalisch/technischen Anteil eines "unbewohnten" Gebäudes und in einen Anteil, der rein empirisch/statistisch die Auswirkungen des Nutzerverhaltens ohne Erklärungsversuch beschreibt. Auf dieser Grundlage wird ein Vorschlag für einen Berechnungsansatz zur Bestimmung des mittleren Heizenergiebedarfs eines bewohnten Gebäudes gemacht. Abschließend werden beispielhaft die Auswirkungen dieses Ansatzes auf die technische und verhaltensorientierte Sichtweise diskutiert.
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